{"id":527,"date":"2013-09-14T18:16:41","date_gmt":"2013-09-14T18:16:41","guid":{"rendered":"http:\/\/www.aikido-zentrum-essen.de\/?page_id=527"},"modified":"2013-09-14T18:23:50","modified_gmt":"2013-09-14T18:23:50","slug":"texte","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.aikido-zentrum-essen.de\/?page_id=527","title":{"rendered":"Texte"},"content":{"rendered":"<header>\n<h1>Artikel im Essener S\u00fcdanzeiger<\/h1>\n<div title=\"Page 2\">\n<div>\n<div>\n<p>Der hier <a href=\"http:\/\/www.aikido-zentrum-essen.de\/wp-content\/uploads\/2013\/09\/Aikido-Artikel-Essener-Anzeiger-2013.pdf\">verlinkte Artikel<\/a>\u00a0erschien gek\u00fcrzt im August 2013 im S\u00fcdanzeiger Essen.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<h1>Bokuden, der Samurai<\/h1>\n<\/header>\n<div>\n<p>Die Samurai waren japanische Krieger. Nur ihnen war es erlaubt, ein Schwert zu tragen und es zu benutzen. Die Samurai waren sehr streng zu sich selbst. Stets \u00fcbten sie, das Schwert vollkommen zu beherrschen und \u2013 das war ihnen noch wichtiger \u2013 sich selbst vollkommen zu beherrschen!<\/p>\n<p>Bokuden war ein besonderer Samurai. Er geh\u00f6rte zur \u201cOhne-Hand-Schule\u201d. Diese Samurai-Schule k\u00e4mpfte mit dem Schwert, ohne die Hand an das Schwert legen zu m\u00fcssen!<\/p>\n<p>Au\u00dferdem war Bokuden ein Schelm. Seine Geschichten erz\u00e4hlt man sich in Japan seit alten Zeiten. Wir lernen daraus nicht nur Japan besser kennen, sondern auch uns selbst. Oder?<\/p>\n<p><strong>Die Schwertprobe<br \/>\n<\/strong>Bokuden hatte drei S\u00f6hne, die er zur Ausbildung einem Schwertmeister in die Lehre gab.<\/p>\n<p>Als die Ausbildung beendet war, rief Bokuden die S\u00f6hne zu sich und sprach: \u201eLiebe S\u00f6hne, ihr seid gelehrt worden, ein Schwert zu bedienen. Jedoch, bevor ich die Erlaubnis gebe, fortan das Schwert zu f\u00fchren, werde ich euch auf eine Probe stellen. Geht nun und wartet drau\u00dfen. Einzeln werde ich euch rufen!\u201d<\/p>\n<p>Bokuden trat in ein Zimmer, das durch einen Vorhang in zwei H\u00e4lften geteilt war. Auf die Vorhangleiste legte er ein kleines Kissen, das leicht herunterfiel, wenn man den Vorhang ber\u00fchrte. Dann rief der Samurai seinen ersten Sohn.<\/p>\n<p>Der erste Sohn trat herein. Als er den Vorhang zur Seite zog, fiel das Kissen herunter. Er b\u00fcckte sich, hob es auf und legte es an seinen Platz zur\u00fcck. Er ging zum Vater und sprach: \u201eHier bin ich, Vater. Die Probe kann beginnen.\u201d<\/p>\n<p>Bokuden l\u00e4chelte und sprach: \u201eWarte mein Sohn.\u201d Dann rief er den zweiten Sohn.<\/p>\n<p>Der zweite Sohn betrat das Zimmer. Als er den Vorhang \u00f6ffnen wollte, sah er das Kissen. Er nahm es herab, zog den Vorhang auf, legte das Kissen an seinen Platz zur\u00fcck, ging zum Vater und sprach: \u201eHier bin ich, Vater. Die Probe kann beginnen.\u201d<\/p>\n<p>Bokuden l\u00e4chelte und sprach: \u201eWarte, mein Sohn.\u201d Dann rief er den dritten Sohn.<\/p>\n<p>Der kam rasch herein und riss den Vorhang auf. Da fiel das Kissen herunter. Doch bevor es den Boden ber\u00fchrte, hatte der Sohn das Schwert gezogen und das Kissen in zwei H\u00e4lften zerteilt. Dann ging er zum Vater und sprach: \u201eHier bin ich, Vater. Die Probe kann beginnen.\u201d<\/p>\n<p>Bokuden l\u00e4chelte und sprach: \u201eDie Probe, liebe S\u00f6hne, ist schon beendet.\u201d Und setzte mit bek\u00fcmmerter Miene hinzu: \u201eNur einer von euch hat sie bestanden.\u201d<\/p>\n<p>Der Samurai wandte sich an seinen ersten Sohn: \u201eDu, mein Sohn, musst noch flei\u00dfig \u00fcben!\u201d<\/p>\n<p>Zum zweiten sprach er: \u201eDu, mein Sohn, bist w\u00fcrdig, ein Schwert zu f\u00fchren.\u201d<\/p>\n<p>Zum dritten gewandt, aber sprach Bokuden: \u201eDir, mein Sohn, sollte niemals erlaubt werden, ein Schwert zu f\u00fchren, denn du bist ein Ungl\u00fcck f\u00fcr die Familie.\u201d<\/p>\n<p><strong><br \/>\nDer Schwertkampf<br \/>\n<\/strong>Eines Tages fuhr Bokuden in einem gro\u00dfen Boot \u00fcber einen See. Unter den Mitreisenden befand sich auch ein wild dreinblickender Samurai, der durch hochm\u00fctiges Gerede auf sich aufmerksam machte. Vor allem prahlte er mit seiner Gewandtheit, ein Schwert zu handhaben und behauptete, es g\u00e4be wohl keinen zweiten, der es ihm in dieser Kunst auch nur ann\u00e4hernd gleichtun k\u00f6nne.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend die meisten der Mitreisenden ihm bewundernd zuh\u00f6rten, sah Bokuden l\u00e4chelnd beiseite, als ginge ihn das Gerede gar nichts an. Das reizte den Prahlenden au\u00dferordentlich. Er trat vor Bokuden hin, stie\u00df ihn an und fragte sp\u00f6ttisch: \u201eWie ich sehe, tragt Ihr auch ein Schwert. Weshalb sagt Ihr nichts?\u201d<\/p>\n<p>Bokuden sch\u00fcttelte l\u00e4chelnd den Kopf und antwortete ruhig: \u201cGanz sicher verstehe ich das Schwert zu f\u00fchren. Aber auf andere Weise, n\u00e4mlich andere nicht zu besiegen und auch selbst nicht besiegt zu werden.\u201d<\/p>\n<p>Diese Antwort empfand der wilde Samurai erst recht als Herausforderung. \u201eZu welcher seltsamen Schule z\u00e4hlt Ihr euch dann?\u201d fragte er h\u00f6hnisch.<\/p>\n<p>\u201eZur Ohne-Hand-Schule\u201d, sagte Bokuden schlicht und meinte die Schule, die ihre Sch\u00fcler dazu erzieht, einen Gegner zu besiegen, ohne das Schwert zu ber\u00fchren.<\/p>\n<p>\u201eUnd wozu tragt Ihr dann \u00fcberhaupt ein Schwert?\u201d lachte der Samurai. \u201eAber ich verstehe schon. Am Ende verh\u00e4lt es sich so, dass Ihr \u00fcberhaupt nicht damit umgehen k\u00f6nnt. Und ein Feigling seid Ihr obendrein!\u201d<\/p>\n<p>Doch auch diese Beschimpfung brachte Bokuden nicht aus seiner Ruhe. L\u00e4chelns sah er auf den See, auf dessen glatter Fl\u00e4che sich die Sonne spiegelte.<\/p>\n<p>\u201eH\u00f6rt!\u201d rief der grimmige Samurai mit vor Zorn hochrotem Gesicht. \u201eSoll das bedeuten, dass Ihr so vermessen seid, ohne Schwert gegen mich zu k\u00e4mpfen?\u201d<\/p>\n<p>\u201eWarum nicht?\u201d entgegnete Bokuden.<\/p>\n<p>Da schrie der Samurai dem F\u00e4hrmann zu, er solle schleunigst ans n\u00e4chste Ufer fahren, wobei er vor lauter Ungeduld bereits anfing, das Schwert zu lockern.<\/p>\n<p>Indessen riet Bokuden, doch lieber eine entferntere kleine Insel anzusteuern; am bewohnten Ufergel\u00e4nde k\u00f6nnten aus Neugierde viele Leute zusammenlaufen und in Mitleidenschaft gezogen werden.<\/p>\n<p>Da auch das dem Herausforderer recht war, hielt das Boot auf eine kleine \u00f6de Insel zu, die nicht gar zu weit ab lag.<\/p>\n<p>Sobald man dort angekommen war, sprang der Samurai an Land und bereitete sich auf den Zweikampf vor. Bokuden legte sein Schwert ab und \u00fcbergab es dem F\u00e4hrmann. Dann schickte er sich an, gleichfalls an Land zu gehen, wandte sich aber blitzschnell um, riss dem F\u00e4hrmann das Ruder aus den H\u00e4nden und stie\u00df das gro\u00dfe Boot mit Kraft vom Ufer ab.<\/p>\n<p>\u201eHe, Mann! Was soll das hei\u00dfen?\u201d schrie der verdutzte Samurai.<\/p>\n<p>\u201eDas hei\u00dft Ohne-Hand-Schule\u201d, antwortete Bokuden gem\u00fctlich, setzte sich auf die Holzbank und freute sich auf die Weiterfahrt \u00fcber den sch\u00f6nen See.<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Artikel im Essener S\u00fcdanzeiger Der hier verlinkte Artikel\u00a0erschien gek\u00fcrzt im August 2013 im S\u00fcdanzeiger Essen. Bokuden, der Samurai Die Samurai waren japanische Krieger. Nur ihnen war es erlaubt, ein Schwert zu tragen und es zu benutzen. Die Samurai waren sehr streng zu sich selbst. 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